Monat: August 2022

Droht Frechen der wirtschaftliche Kollaps?

Am kommenden Donnerstag, 25. August, entscheidet der Kreistag über seine Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplanes. „Die von der Verwaltung des Kreises vorlegte Entwurf dieser Stellungnahme hat für Frechen ganz massive Auswirkungen“, erklärt Professor Dr. Jürgen Höser, Vorsitzender der Interessenvereinigung Frechener Unternehmen (IFU).

Nach den vorgelegten Plänen soll das geplante Neubaugebiet Benzelrath-Habbelrath, die Erweiterung von Grube Carl, in Teilbereichen zugunsten eines allgemeinen Freiraum- und Agrarbereichs umgewidmet werden. Eine Teilfläche soll nach den Vorschlägen der Kreisverwaltung für eine Erweiterung der Wohnbebauung nicht mehr in Betracht kommen. Dr. Höser: „Damit wäre eine langfristige Planung weiterer Wohnbebauung nach den bisherigen Vorstellungen der Stadt Frechen ausgeschlossen. Eine Rücknahme dieser Fläche mit einer Größenordnung von 7 Hektar würde nicht nur den Bedarf im Wohnungsbau – und hierfür wäre diese Fläche ideal – wesentlich vergrößern, sondern auch deutlich die Möglichkeiten eines weiteren Wohnungsbaus massiv einschränken.“ Zudem gäbe es vermutlich Auswirkungen auf das Gesamtkonzept des neuen Stadtteils an Grube Carl.

Die Stellungnahme des Kreises soll, dem Vernehmen nach, ohne Abstimmung mit der Stadtverwaltung Frechen ausgearbeitet worden sein. „Dies allein ist mehr als ärgerlich. Frechen hat faktisch keine Flächen mehr – ganz anders andere Flächenkommunen im Rhein-Erft Kreis. Wenn man Erftstadt oder Kerpen an der ein oder anderen Stelle eine Fläche von einigen hundert Quadratmetern die Eigenschaft als mögliches Siedlungsgebiet streicht, so haben diese Städte andere Ausweichmöglichkeiten – Frechen hingegen nicht“, ärgert sich der IFU-Vorsitzende. Eine Entscheidung „von oben herab“ spräche keineswegs für eine demokratische Vorgehensweise.

Eine Nutzung des Geländes Wachtberg, der Brikettfabrik, würde nach dem Willen des Landschaftsverbandes Rheinland dadurch erschwert, dass die Fabrik oder wesentliche Teile als Industriedenkmal erhalten werden sollen.
Dr. Höser: „Die Überlegungen nach einer Erweiterung des angrenzenden Gebietes auf dem Wachtberggelände für eine gewerblich- industrielle Nutzung wird leider vom Kreis in seiner Stellungnahme nicht unterstützt, obwohl dieselben Gewerbeansiedlungsmerkmale vorgegeben werden, wie in der Agiplanstudie für den Standort Wachtberg vorgeschlagen sind.“

Der Entwurf des Regionalplanes berge jedoch noch ganz anderen Sprengstoff: „Ein Naturschutzgebiet – so notwendig der Umwelt- und Naturschutz auch ist – zwischen Königsdorf und Habbelrath auf genehmigten Abbaubereichen könnte dazu führen, dass in wenigen Jahren der Abbau von Quarzsand nicht mehr möglich sein wird. Dies wäre für Frechen unter dem Aspekt von Gewerbesteuereinnahmen eine wirtschaftliche Katastrophe. Wenn schon durch den Weggang von Lekkerland und die Einstellung der Brikettfabrikation wesentliche Einnahmen an Gewerbesteuer wegfallen, so wäre die Sitzverlegung der Quarzwerke an einen der anderen Standorte des Unternehmens der Super Gau für Frechen“, warnt der IFU-Vorsitzende. Das Resultat wäre der Wegfall eines sehr großen Anteils an Gewerbesteuereinnahmen der Wegfall hunderter qualifizierten Arbeitsplätze.


„Die Corona-Pandemie hatte und hat bereits gravierende Auswirkungen auf Unternehmen und Betriebe. Alle, auch jeder Bürger, jede Bürgerin sind zudem aufgrund des so furchtbaren Krieges in der Ukraine durch die deutlichen Steigerungen sowohl der Preise für Lebensmittel, als auch für die Energieversorgung direkt betroffen. Umso mehr muss die Politik die Betriebe und Unternehmen schützen, die zum Aufbringen der Einnahmen der öffentlichen Hand und damit zur Aufrechterhaltung des Gemeinwohls wesentlich beitragen“, appelliert Dr. Jürgen Höser. Die Wirtschaft dürfe nicht einem Koalitionsfrieden geopfert werden.


Die IFU appelliert daher an die Entscheidungsträger im Kreistag, nicht zugunsten der eigenen Kommune zu entscheiden und nach dem „St-Florians-Prinzip“ Frechen und seine Unternehmen sich selbst zu überlassen.
Eine kommunale Solidarität sei das Gebot der Stunde.

KlimaNetzwerk Frechen

Auf Einladung des neu gegründeten Vereins KlimaNetzwerk Frechen trafen sich 50 Unternehmer und Freiberufler, um sich über Ideen, Ziele und erste Projekte zu informieren und sich über den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen auszutauschen. „Unser Ziel ist es, Frechen lebens- und liebenswerter zu gestalten und uns dafür gemeinsam ehrenamtlich einzusetzen“, erklärt Robert Drosdek, Vorsitzender des Vereins. Es sind bereits mehrere Veranstaltungen und Maßnahmen geplant.


„Jeder kann einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Durch Austausch und Vernetzung wollen wir Projekte für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen in der Region möglich machen“, so Drosdek weiter. „Als Freund und Förderer ist jedes Unternehmen, jeder Selbstständige und Entscheider willkommen.“ Kooperationspartner des parteiunabhängigen Vereins sind die Stadt Frechen und die Interessensgemeinschaft Frechener Unternehmen (IFU). „Der Klimaschutz liegt uns bei der Stadt Frechen besonders am Herzen, um ein lebenswertes Frechen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten“, sagt Susanne Stupp, Bürgermeisterin der Stadt Frechen und Schirmherrin des KlimaNetzwerks.

(v.l.n.r.) Die Verantwortlichen beim KlimaNetzwerk Frechen e.V.: Fabio Ganassin, Victor Dünn, Raoul Karmer, Susanne Stupp, Robert Drosdek, Alidjana Kolic, Marcel Sawall, Nina Holtgrewe und Markus Mölter. Foto: KlimaNetzwerk Frechen e.V.


Durch Austausch und Vernetzung möchte der Verein auch Klimaprojekte in der Region möglich machen. Zu den ersten umgesetzten Projekten des KlimaNetzwerk Frechen e.V. zählt das Anlegen von Blühwiesen rund um das Gut Clarenhof auf einer Fläche von circa 1,35 Hektar. Sie sollen die Biodiversität unterstützen und Bienenvölkern dienen, die nicht nur die wichtigsten Bestäuber für Obst und Gemüse darstellen, sondern auch stark zur Bindung von CO2 und damit zum Klimaschutz beitragen. Darüber hinaus sind von dem gemeinnützigen Verein für ein artenreiches Biotop verschiedene Saatgutmischungen auf über 7 Hektar ausgesät worden.


Weitere Infos auf: www.frechen-klima.de

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