Monat: Februar 2024

„Kein Betrieb schließt, wenn Umsatz und Gewinn stimmen“

Die Nachrichten über Betriebsschließungen in der Innenstadt von Frechen reißen nicht ab. Nach Hunkemöller, Bijou Brigitte und insbesondere nach der angekündigten Schließung von H&M folgt die nächste Betriebseinstellung: der REWE-Markt in der Fußgängerzone schließt nach Informationen der Interessenvereinigung Frechener Unternehmen.

Aus Sicht der IFU sollte auf die Schließung insbesondere von H&M und REWE alsbald eine schnelle und auch unbürokratische Reaktion erfolgen. „Es bleibt keine Zeit für teure und langwierige Gutachten“, mahnt der IFU-Vorsitzende Dr. Jürgen Höser erneut.

Foto: Lars Kindermann

„Kein Betrieb schließt, wenn Umsatz und Gewinn stimmen“, erklärt die IFU und regt an, „umgehend eine Arbeitsgruppe zu bilden“. Darin vertreten sein sollen die städtische Wirtschaftsförderung sowie die verbliebenen Betriebsinhaber der Innenstadt. Ein erstes konstruktives Gespräch dazu hat, so die IFU, bereits stattgefunden. Die Unternehmervereinigung regt an, eine Evaluierung der Ursachen für die Betriebsschließungen durchzuführen, um so Erkenntnisse zu gewinnen, was geändert und verbessert werden muss. Die IFU ist bereit, diesen Prozess aktiv, kritisch und dennoch konstruktiv zu begleiten und zu unterstützen.

Durch den bevorstehenden Abriss des Parkhauses (aus Sicht der IFU wegen des Zustandes unumgänglich) geht eine zentrumsnahe kostenlose Parkmöglichkeit verloren. Hierdurch wird sich die Besucherzahl der Innenstadt weiter verringern. So berichten die Betriebe bereits jetzt ein spürbarer Rückgang ihrer Kunden auf Grund der Sperrung des Parkhauses.

Was also muss geändert werden, um den Standort „Frechen Innenstadt – Fußgängerzone“ für Gewerbetreibende und Besucher attraktiv(er) zu gestalten, um weitere Schließungen zu verhindern? Und, wer kümmert sich zukunftsorientiert um die Innenstadt? Die Stadtentwicklungsgesellschaft hat, aus Sicht der IFU, bisher keinerlei spürbaren Impulse erzeugt.

Wer also nimmt die Überarbeitung und Anpassung des sogenannten Innenstadt -Konzeptes in die Hand? Müsste nicht die Abteilung Wirtschaftsförderung nachhaltig personell aufgestockt und unterstützt werden? Müssten nicht durch die Politik, das heißt durch die im Rat vertretenen Parteien, Finanzmittel für ein effektives Stadtmarketing zur Verfügung gestellt werden?

Dr. Jürgen Höser: „Es geht schließlich nicht nur um die Umsätze der (noch) ansässigen Betriebe, sondern auch um die Sicherstellung der Gewerbesteuereinnahmen und der Arbeitsplätze sowie eine lebendige Innenstadt. Hier muss ein jeder, ob Verwaltung oder Politik, seinen aktiven Beitrag leisten.“

Die IFU regt an, bei allen Betrieben deren Sicht der Dinge zu hinterfragen und Kritik und Anregung zu Belebung der Innenstadt aufzunehmen. „Auch eine aktiv geförderte Belebung durch die Möglichkeit, den Raum für Cafés und ähnliches mehr nutzen zu dürfen, hilft den Betrieben – macht die Fußgängerzone lebendiger und attraktiver für Besucher“, ist die IFU überzeugt.

Aus Sicht der IFU könnte die Innenstadt durchaus belebt werden, zum Beispiel durch mehr Marktveranstaltungen oder ähnliche Events. In den bisherigen Gesprächen zwischen IFU und Verwaltung wurde deutlich, dass sowohl die Wirtschaftsförderung als auch die für Märkte zuständige Abteilung konstruktiv mitarbeiten und weitere innerstädtische Veranstaltungen begrüßen und unterstützen.

„Märkte, wie der Töpfermarkt oder der Martinsmarkt beleben die Innenstadt und können auch zu den notwendigen betriebserhaltenden Umsätzen führen. Wenn jedoch keine Märkte stattfinden so fehlt oft der Anreiz, die Innenstadt aufzusuchen. Fehlen die Besucher, so ist die Schließung eines auf Verkauf angelegten Geschäfts vorprogrammiert“, so Dr. Höser.

Soweit bisher bei den Verkaufsoffenen Sonntagen die außerhalb der Innenstadt gelegen Betriebe (Porta/ Ley) nicht mehr berücksichtigt wurden, konnte die IFU nunmehr, gemeinsam mit der Verwaltung, eine durchaus konkrete Möglichkeit besprechen, auch diese Betriebe wieder in eine Sonntagsöffnung einzubeziehen. Dies würde für mehr Besucher und dadurch für eine Standortsicherung sorgen.

Dr. Höser: „Wenn schon die Probleme für Betriebe und Geschäfte in der Innenstadt offenkundig sind, so ist es aus Sicht der IFU umso mehr notwendig, dass Investoren, die Betriebsansiedlungen mit Gewerbesteuereinkünften und sicheren Arbeitsplätzen anbieten, nachhaltig und aktiv unterstützt werden. Die aktuelle wirtschaftliche Situation lässt weder Raum noch Zeit für Bedenkenträger aller Art.“

„Es ist Zeit, umzudenken“

„Die Schließung von H&M bedauern wir seitens der IFU“, erklärt Dr. Jürgen Höser, 1. Vorsitzender der Interessenvereinigung Frechener Unternehmen (IFU) und ergänzt: Einmal mehr „stirbt“ damit ein Teil der früheren innerstädtischen Attraktivität von Frechen als bürgernahe Einkaufsmöglichkeit.“

Die Schließung sei ein „weiteres Alarmzeichen – auch für Politik und Verwaltung“. Es sei geboten, das Einzelhandelskonzept aus 2018 kritisch zu überprüfen, zu überarbeiten und den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen.

Dr. Höser: „Es ist dringend notwendig, auch die vernachlässigten Randbereiche, das heißt insbesondere Firmen wie Porta und Robert Ley zu stärken.“ Seit Jahren fordert die IFU dringend einen Einbezug dieser Firmen auch in die Sonntagsöffnungstage. Die Verfahrensfehler, die seinerzeit vom Verwaltungsgericht gerügt wurden, werden sicher nicht wiederholt“, ist der IFU-Vorsitzende überzeugt.

Foto: Archiv/Lars Kindermann

Die innenstädtischen Betriebe, die bisher zum Einkaufen einluden, würden durch den Wegfall des Parkhauses noch mehr leiden. Dr. Höser: „Je mehr relativ wichtige „Einkaufsmagnete“ wie zum Beispiel H&M wegfallen, um so mehr wird sich die Innenstadt, sprich die Fußgängerzone, notwendigerweise in eine Wohn- beziehungsweise Caféhaus- Atmosphäre umwidmen.“

Die Ansiedlung von Filialen bundesweit agierender Unternehmen berge stets die Gefahr, dass bei Umsatzrückgang, der Entschluss zur Schließung sehr zeitnah fallen würde.
„Dies gilt nicht für alteingesessene, Familien-geführte Einzelbetriebe“, gibt Dr. Jürgen Höser zu bedenken. Diese Betriebe müssten genauso stark in ein angepasstes Konzept eingearbeitet werden, wie die bereits erwähnten Betriebe außerhalb des Innenstadtkerns. Betriebe wie H&M, Hunkemöller oder Bijou Brigitte würden schließen; Betriebe, die sich am Stadtrand ansiedeln wollen, seien mit Hinweis auf das (bisherige) Innenstadtkonzept abgelehnt worden. „Es ist Zeit, umzudenken“, warnt der IFU-Vorsitzende.

Die durch Corona und die Einkaufmöglichkeit im Internet geschaffenen Fakten müssten zwingend zu einem raschen Umdenken führen. Dr. Höser: „Zeit für langwierige Planspiele oder die Einholung teurer Gutachten bleibt nicht.

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